Das Wort Implantation, welches sich von dem lateinischen "implantare" = einpflanzen
ableitet, bedeutet in zahnmedizinischer Hinsicht das Einbringen von chemisch stabilen,
künstlichen Materialien in den menschlichen Körper.
In der Zahnmedizin helfen die Implantate in Form von so genannten künstlichen Zahnwurzeln,
auf denen dann, vergleichbar einer Krone, ein Zahnaufbau erfolgt, letztendlich dabei,
den Knochenabbau bei Zahnlosigkeit zu verhindern, die Kaufunktion wieder aufzunehmen
und die Nahrung optimal für den Schluckvorgang zu zerkleinern. Ebenso darf natürlich
bei den heutigen Ansprüchen in unserer Gesellschaft auch der ästhetische Aspekt nicht
unerwähnt bleiben, für den die Implantate z.B. bei einem einzelnen Frontzahnverlust
sehr gute Lösungsmöglichkeiten bieten können.
Die Entwicklung der Implantate im zahnmedizinischen Bereich hat sich
in den letzten Jahrzehnten trotz vieler Probleme als sehr erfolgreich gezeigt.
Viele Langzeitstudien über Implantationen belegen, dass ihre Beschaffenheit sowie
ihre Formen und ihre Haltbarkeit verbessert worden sind. Der Laie kann sich ein
Zahnimplantat als eine künstliche Zahnwurzel vorstellen. In Verbindung mit einem
zahnkronenförmigen Aufbau oder anderen prothetischen Konstruktionen kann ein
individuelles künstliches Gebiss in den Mundraum integriert werden. Diese Möglichkeit
eines derartigen Zahnersatzes hat sich in der modernen Zahnmedizin mittlerweile
seinen festen Anwendungsbereich geschaffen. Implantate eröffnen auf verschiedenste
Art und Weise einen Weg der Zahnlosigkeit bzw. einer herausnehmbaren Prothese zu
entgehen. Daher bringen immer mehr Zahnarzt-Praxen mittels Informationsmaterial und
Gesprächen dieses chirurgisch-prothetische Sanierungskonzept des Gebisses den Patienten nahe.
Zahnärztliche Implantate bestehen aus Titan und werden auf dem Markt in verschiedenen Formen
und mit verschiedenen Beschichtungen angeboten. Bei ausreichendem Knochenzustand des Ober-
oder Unterkiefers werden sie in den Knochen eingebracht und sind bei einer problemlosen
Einheilungsphase spätestens nach sechs Monaten endgültig inkorporiert. Einer normalen
Kaubelastung steht danach nichts mehr im Wege.
Die einzelnen Implantate können mit Einzelkronen, Kronenblöcken bzw. Brückenkonstruktionen
versehen werden oder als Anker für Prothesen dienen. Sie befriedigen nicht nur höchste
ästhetische Ansprüche im Bereich des Zahnersatzes, sondern bedingen vor allem bei
drohender oder vorhandener Zahnlosigkeit eine bedeutsame Steigerung des Kaukomforts
und vor allem des allgemeinen Wohlbefindens.
Eine Gewährleistung für das Einwachsen der Implantate gibt es nicht, aber die
Erfolgsquote ist in den vergangenen Jahren z.T. mit 98% bereits sehr gestiegen.
Die Zahnpflege der gesamten implantierten Konstruktion stellt für den Patienten
nach ausführlicher zahnärztlicher Einweisung kein größeres Problem dar.
Gegenanzeigen, Kontraindikationen
Wichtig für die Implantation ist ein Abwägen der Erfolgsaussichten. Die Vorgehensweise,
die Art und die Anzahl der Implantatversorgung bedarf einer genauen Untersuchung und
Planung. So gelten allgemeinmedizinische Faktoren, wie zum Beispiel ausgeprägte
Stoffwechselerkrankungen, Leber-, Nieren- und Knochenleiden, Blut- bzw.
Risikoerkrankungen im Allgemeinen, als Gegenanzeigen für oralchirurgische Eingriffe
dieser Art. Studien haben gezeigt, dass die Zahl der Implantatmisserfolge bei Rauchern
doppelt so hoch ist, wie bei Nichtrauchern. Nikotin-, Alkohol- und Drogenmissbrauch
sprechen gegen die Durchführung einer Implantation. Auch muss die Geschicklichkeit
des Patienten für die später anfallenden besonderen Mundhygienemaßnahmen sichergestellt
sein. Während einer akuten Infektionskrankheit, kurz nach einer erfolgten Strahlentherapie,
während der Schwangerschaft sowie der Stillzeit sollte von einer Zahnimplantation Abstand genommen werden.
Neben den allgemeinen Kontraindikationen obliegt es dem Zahnarzt, auch den Mundraum
exakt zu inspizieren, um sich dort ergebene Probleme im voraus zu bedenken.
Eine Mundtrockenheit, pathologische Schleimhaut- oder Knochenverhältnisse,
eine zu große Zunge, ungünstige Kiefer- und Bissverhältnisse sowie krankhafte
Kaubewegungen können gegen das Einbringen von Implantaten sprechen. Ebenfalls
muss eine ausreichende Knochendicke gewährleistet sein, um die Implantate
überhaupt in den Kieferknochen setzen zu können. Ist kein ausreichendes Knochenbett
vorhanden, besteht noch die Möglichkeit, dieses durch eine chirurgische Voroperation
zu schaffen. Bei diesen so genannten "Knochenaugmentationen" wird im Oberkiefer
Knochen in die Kieferhöhle eingebracht bzw. dem Unterkiefer Knochen aufgelagert.
Die Suprakonstruktion
Unter dem Begriff Suprakonstruktion versteht man den Aufbau, der auf das Implantat
aufgelagert wird. Der Laie muss sich bildlich diese beiden Komponenten als künstliche
Zahnwurzel und deren künstliche Zahnkrone vorstellen. Mehrere Schrauben und Fassungen
greifen ineinander und ermöglichen die individuelle Gestaltung des Zahnersatzes.
Einzelne Zahnlücken können mit einem so genannten Einzelzahnimplantat versorgt werden;
begrenzte Lücken bzw. verkürzte Zahnreihen mit zwei oder mehreren Implantaten.
Als Suprakonstruktion ist im Anschluss eine prothetische Arbeit mit Kronen oder
Brücken, dem sogenannten festsitzenden Zahnersatz, möglich. Eine solche ist, vor
allem aus Gründen des Selbstwertgefühls, stets komfortabler und erstrebenswerter
als ein herausnehmbarer Zahnersatz.
Bei einem stark reduzierten Restgebiss oder bei einem zahnlosen Kiefer
kommt eine kombiniert festsitzende und herausnehmbare Suprakonstruktion zur
Anwendung. Das bedeutet, dass die Implantate mit über der Schleimhaut liegenden
Stegen oder Kappen versehen werden, über die eine Prothese eingegliedert
werden kann. Im Besonderen bietet eine solche Konstruktion für Patienten
mit unbezahntem Unterkiefer einen erlösenden Kaukomfort, da Totalprothesen
des Unterkiefers oftmals keinen Halt auf dem reduzierten Kieferkamm finden und
Druckschmerzen verursachen können.
Die individuelle Gestaltung des Zahnersatzes in Bezug auf die Bisshöhe,
die Zahngröße, die Zahnform und die Zahnfarbe zeigt sich bezüglich ihrer
Entfaltungsmöglichkeiten nur dahingehend begrenzt, dass die optimale
Belastung der Implantate und die Funktionalität des Kausystems stets
Zielsetzung Nummer eins bleiben muss. Im Rahmen einer professionellen
Anfertigung können trotz allem höchste ästhetische Ansprüche befriedigt werden.
Klinischer Ablauf
Die Versorgung mit Implantaten kann sowohl von Zahnärzten, als auch in Zusammenarbeit
mit Kieferchirurgen durchgeführt werden.
Nach einer Abformung der Kiefer werden diese für die Planung der Lokalisation
der Implantate sowie für die Planung der Platzierung der Suprakonstruktion
vermessen. Eine konservative Sanierung des Restgebisses sollte im Vorfeld
erfolgen, um ein Kariesfreiheit und einen Parodontitisausschluss zu
gewährleisten. Bei einer Implantation
werden mit Hilfe von Röntgenbildern und einer speziell angefertigten
Bohrschablone die Implantate in den regenerierten Knochen eingebracht.
Die Schleimhaut wird dicht über der Bohrung vernäht. Nach wiederum drei
Monaten werden die künstlichen Zahnwurzeln freigelegt, in Bezug auf ihr
Einheilen kontrolliert und mit so genannten Mundschleimhautformer versehen.
Das Zahnfleisch wächst harmonisch um diese Schrauben herum.
Die Anfertigung der Suprakonstruktion verhält sich im Ablauf so, wie die
Herstellung von entsprechenden zahngetragenen Kronen und Brücken bzw.
Prothesen. Hinzu kommt ausschließlich die filigrane Arbeit der Verschraubungen,
die bei jeder Abformung oder Einprobe ständig erfolgen muss, um die
Implantatposition auf die zahntechnischen Modelle zu übertragen und die
Passgenauigkeit der fertigen Arbeit zu gewährleisten. Ohne die
Professionalität von Zahnarzt und zahntechnischem Labor ist dem Anspruch
an eine solche qualitativ hochwertige Versorgung schwerlich Genüge zu tragen.
Haltbarkeit
Die fertige chirurgische, zahnärztliche und zahntechnische Arbeit im Munde des
Patienten ist ein lohnenswerter, zukunftsorientierter Zahnersatz für mehrere
Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Über 90% der Implantate heilen in den Kieferknochen
binnen der ersten sechs Monate nach Implantation ein und können dort viele Jahre
verbleiben; vorausgesetzt jedoch, dass der Patient mit der Zeit keine allgemeinen
Knochenerkrankungen entwickelt oder andere vorher nicht zu erahnende Einflussfaktoren,
wie z.B. Tumore, Unfälle auftreten. Langzeitstudien belegen Inkorporationen von
Implantaten über 15, 20 und mehr Jahre, wobei die künstliche Zahnwurzel stets
belastbar und prothetisch verwendbar bleibt.
Die Suprakonstruktion bedarf einer täglichen Mundpflege des Patienten und halbjährlich
einer professionellen Zahnreinigung durch den Zahnarzt wie die natürlichen Zähne im
Allgemeinen auch. Die Haltbarkeit der zahntechnischen Arbeit ist abhängig von der
Pflege. Sollte sich die Mundsituation verändern, d.h. dass eigene Zähne z.B. im
Laufe der Zeit entfernt werden müssen, stellt das Verwenden der Implantate für die
neue Gebissrekonstruktion kein Problem dar. Die alte prothetische Arbeit wird entfernt
und entsprechend der aktuellen Situation im Mundraum wird ein passender Zahnersatz auf
den ersten Implantaten, sowie ggf. kombiniert auf weiteren gesetzten Implantaten
angefertigt. Die Gewährleistung bezüglich der Haltbarkeit des Zahnersatzes beginnt
dann von neuem.
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